Wenn man sagt, dass Italien wirklich alles hat, dann meint man auch wirklich alles: sogar einen kleinen Grand Canyon. Nur wenige kennen ihn, aber etwa zweieinhalb Autostunden von Mailand entfernt verbergen sich tiefe Schluchten, diedurch Wassererosion in den Fels gegraben wurden und sich in der Nähe alter Bäche oder Wasserfälle gebildet haben, die einst am Fuße von Gletschern flossen. Sie sind grauer Farbe und ähneln engen, gewundenen Canyons mit glatten Felswänden, die an manchen Stellen so nah beieinander liegen, dass man vom Grund aus den Himmel nicht sehen kann.
Wie ist der kleine Grand Canyon Norditaliens entstanden?
Während der letzten Eiszeit, die vor etwa 12.000 Jahren endete, war das Antigorio-Tal vom großen Toce-Gletscher bedeckt. Zu seinen Füßen flossen zahlreiche Bäche, die langsam das Gestein erodierten und tiefe Schluchten und enge Täler bildeten, oft mit gewundenem Verlauf. Als sich der Gletscher zurückzog, verschwanden viele dieser Wasserläufe oder änderten ihren Lauf, wodurch die Schluchten von Uriezzo freigelegt wurden. Heute fließen dort keine Flüsse mehr, sodass man sie bequem zu Fuß durchqueren kann, auf einem Weg mitten in der Natur.

Wie man sie besucht und wie lange man dafür braucht
Die Orridi di Uriezzo liegen im Valle Antigorio im Piemont, etwa zweieinhalb Autostunden von Mailand entfernt. Ein ideales Ausflugsziel für Naturliebhaber, die zu Fuß erkundet werden können und eine der landschaftlich reizvollsten und originellsten Wanderungen Italiens darstellen. Die Strecke ist etwa 6,5 km lang und nicht allzu schwierig, auch wenn sie für kleine Kinder nicht zu empfehlen ist. Es gibt spezielle Führer, die dich Schritt für Schritt bei diesem Abenteuer zwischen Schluchten und Felsen begleiten. Der Zugang zu diesem Naturwunder ist völlig kostenlos.
Es gibt drei Schluchten zu besichtigen: den Orrido Ovest, der am wenigsten charakteristisch und eher für erfahrene Besucher geeignet ist; den Orrido Sud, der als der spektakulärste der drei gilt, etwa 200 Meter lang und bis zu 30 Meter tief ist; und schließlich den Orrido Nord-Est, der einige besonders enge und eindrucksvolle Abschnitte aufweist.