Es gibt einen piemontesischen Berg, der Mailand seit dem 24. Oktober 1387 versorgt, ohne die Rechnung zu stellen. An diesem Tag überließ Gian Galeazzo Visconti der Veneranda Fabbrica den Steinbruch von Candoglia zur Nutzung, inklusive kostenlosem Transport der Steinblöcke bis in die Stadt.
Seitdem kommen alle Turmspitzen, Verzierungen und Statuen, die ersetzt werden müssen – insgesamt 3.400 an der Kathedrale –, immer noch von dort.
AUF: Das Kürzel, mit dem die Lastkähne ohne zu bezahlen durchkamen
Über fünf Jahrhunderte lang kam der Marmor auf dem Wasserweg nach Mailand. Er floss den Toce hinunter, überquerte den Lago Maggiore, mündete in den Ticino und dann in den Naviglio Grande, bis zum Hafenbecken von Sant’Eustorgio.
Dafür brauchte es eine Erfindung: die Conca di Viarenna, auch „Conca della Fabbrica“ genannt, weil sie von den Ingenieuren des Doms selbst gebaut wurde. Dank dieser Schleusen gelangten die Lastkähne bis zum Laghetto, nur wenige hundert Meter von der Baustelle entfernt. 1857 wurde sie unterirdisch verlegt und ist heutedie Via Laghetto, direkt neben der Staatsstraße.
Jede Ladung trug das Kürzel AUF, ad usum fabricae: keine Zölle, keine Mautgebühren. Vielleicht stammt daher der sehr mailändische Ausdruck „a ufo“, also umsonst. Die letzte Fahrt auf dem Wasser fand 1920 statt, danach kamen die Lastwagen.
Der Marmor aus dem Steinbruch von Candoglia: rosafarben, widerstandsfähig und schwer abzubauen
Der Steinbruch liegt oberhalb von Candoglia, einem Ortsteil von Mergozzo, auf der linken Seite des Toce, wo das Ossola-Tal beginnt. Der Lago Maggiore ist nur wenige Kilometer entfernt, Mailand etwa hundert.
Da gibt’s allerdings ein Aber. Die Ader ist sehr schmal, daher ist der Abbau schwierig und kostspielig. Kostenlos ist die Konzession, nicht die Arbeit: Steinbrecher, Technik und Instandhaltung bezahlt die Fabbrica – und das schon seit sechs Jahrhunderten.
Besuch des Steinbruchs von Candoglia: Es gibt bereits einen kostenlosen Termin
Der Zugang zum Steinbruch ist nur im Rahmen einer Führung möglich . Die Saison 2026 ist vorbei: Von Juni bis Mitte September konnte man samstagsvormittags im Rahmen einer kostenpflichtigen 90-minütigen Führung hinaufsteigen.
In der Zwischenzeit kannst du dir den Marmor des Mailänder Doms am 16. Oktober aus nächster Nähe ansehen. Dann mach einen kleinen Spaziergang bis zur Via Laghetto: An der Ecke zur Via Francesco Sforza gibt es noch immer den Platz, an dem früher die Lastkähne anlegten.