Ein Spazierstock, eine an die Regale gelehnte Holzleiter, die Miniaturen der Peanuts. Und ein Talisman, den niemand jemals erraten würde: Hundehoden. Das sind die Gegenstände, die Umberto Eco in seinem geheimsten Zimmer begleiteten und die seit 2022 seinen seltenen Büchern im rekonstruierten Studiolo der Biblioteca Braidense in Mailand Gesellschaft leisten.
Verstärkter Dachboden und kein Telefon: So sah Ecos Haus an der Piazza Castello aus
Als Eco Anfang der 90er Jahre eine Wohnung suchte, hatte er nur eine einzige Anforderung: Platz für seine Bücher. Er entschied sich für eine ringförmige Wohnung mit Blick auf das Castello und ließ, bevor er einzog, den Boden verstärken, damit er das Gewicht der Bücherregale aushalten konnte.
Am Ende des Flurs befand sich ein kleines Zimmer mit einem kleinen Balkon. Er nannte es „Bibliotheca semiologica, curiosa, lunatica, magica et pneumatica“, und dort hatten weder Telefon noch Computer Zutritt. Er verbrachte dort stundenlang allein und spielte fast jeden Tag Flöte.
Magie, Alchemie und Hexenjäger: Die seltenen Bücher, die aus dem Erfolg von „Der Name der Rose“ hervorgingen
Der Erfolg des Romans bescherte Eco einen unerwarteten Wohlstand. Er beschloss, ihn für seltene Bücher auszugeben.
Das Ergebnis ist eine der weniger bekannten Kuriositäten Mailands: In der Braidense gibt es heute 36 Inkunabeln, also Bücher, die vor 1500 gedruckt wurden. Darunter ist auch die „Hypnerotomachia Poliphili“, die 1499 von Aldo Manuzio gedruckt wurde.
Und da ist der „Malleus maleficarum“ von 1492, das Handbuch der Hexenjäger.
1.300 Bücher in Brera, 32.500 in Bologna: Warum wurde Ecos Sammlung aufgeteilt?
Nach Ecos Tod im Jahr 2016 konnte sich die Familie nicht zwischen Mailand und Bologna entscheiden, wo er über dreißig Jahre lang gelehrt hatte.
James Bradburne, damals Direktor von Brera, schlug eine salomonische Lösung vor: die alten Bücher in die Braidense, die modernen an die Universität.
Bologna hat sie am 1. Juli 2026 im Palazzo Poggi der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Der Eco-Bestand der Braidense kam in 73 Kisten an. Jedes Buch ist genau dorthin zurückgekehrt, wo es zu Hause stand: Eco ordnete sie nach der „Regel des guten Nachbarn“ an, wonach das Buch, das du brauchst, das neben dem Buch liegt, das du suchst.
So kannst du Ecos Bücher in Brera sehen: Öffnungszeiten, Eintritt und Anfahrt
Die Ausstellung „L’isola del giorno prima. Bücher, Meere und Wissensmaschinen“, eine der Wechselausstellungen der Braidense in dieser Saison, ist in der Sala Maria Teresa zu sehen.
Ausgestellt sind 70 Bände, einige Manuskripte mit Zeichnungen von Eco sowie Navigationsinstrumente, die vom Museo Galileo in Florenz ausgeliehen wurden, darunter ein Quadrant aus dem Jahr 1686.
Du erreichst es mit der M2 bis Lanza oder der M1 bis Cairoli.
Im selben Gebäude befinden sich auch die Pinacoteca und der Botanische Garten von Brera, sodass du deinen Besuch in einen Rundgang durch die historischen Orte Mailands verwandeln kannst, ausgehend von einer seiner legendären Bibliotheken.
Wenn dich das Studiolo interessiert, frag bei der Bibliothek nach, ob Führungen geplant sind (vor Ort oder telefonisch unter 02 72263401).