Eine Freundschaft, die zwischen Nachbarn entstand: die zwischen dem Komponisten Giacomo Puccini und dem Marquis Carlo Ginori Lisci. Der eine lebte in Torre del Lago, einem wunderschönen Ort in der Versilia, der heute seinen Namen trägt, während der andere in der neugotischen Residenz am anderen Ufer des Massaciuccoli-Sees gegenüber der Villa Puccini wohnte.
Genau diese große Villa mit über 4.000 Quadratmetern, verteilt auf verschiedene Gebäude inmitten eines über zehn Hektar großen Gartens, steht heute für 7 Millionen Euro zum Verkauf.
35 Schlafzimmer, 12 Badezimmer und ein Clubhaus
Die Markgrafen Ginori Lisci, Gründer der gleichnamigen Porzellanmanufaktur in Doccia in der Provinz Florenz, kauften 1887 den Massaciuccoli-See und die umliegenden Grundstücke und verwandelten ein bereits bestehendes Gebäude in eine große Villa im neugotischen Stil: Türme, Doppelfenster, Loggien und eine Fassade aus rotem Backstein, verziert mit Marmordetails.
Neben dem Hauptgebäude gibt es acht weitere Gebäude, darunter eine Zitronenplantage, eine geweihte Privatkapelle und ein Clubhaus, das aus einem Bootshaus umgebaut wurde und über die zahlreichen Kanäle, die den großen Garten durchziehen, direkt erreichbar ist.
Der Bootsanleger ist vielleicht eines der faszinierendsten Elemente der Villa, dank der Fresken von Francesco Fanelli, einem Künstler aus dem Umfeld von Giovanni Fattori, die im Jugendstil mit floralen Motiven und orientalischen Elementen gestaltet sind.
Um die Gebäude herum erstreckt sich der große Garten, durchzogen von schiffbaren Kanälen und kleinen Teichen, in denen Seerosen, Enten und Fische leben.
Giacomo Puccini und Carlo Ginori Lisci, die Freundschaft und die Widmung der „Bohème“
Giacomo Puccini, der am gegenüberliegenden Ufer des Sees wohnte, besuchte die Villa Ginori oft und knüpfte dabei eine enge Freundschaft mit dem Marquis Carlo und dessen Tochter Maria Bianca, einer großen Musikliebhaberin.

Der aus Lucca stammende Komponist schrieb zwischen den Jagdausflügen auf den riesigen Ländereien der Markgrafen Ginori Lisci die Verse seiner neuen Oper: „La Bohème“, die 1896 im Teatro Regio in Turin uraufgeführt wurde.
Die weitläufigen Gärten, die Schönheit der Räumlichkeiten und die angenehme Gesellschaft machten die Villa zu einem wahren kreativen Rückzugsort für Puccini, der die Partitur von „La Bohème“ gerade seinem lieben Freund und Nachbarn Carlo Ginori Lisci widmete.
Die Verbindung zwischen der Villa Ginori, Puccini und Mailand
Die unglückliche Liebe von Mimì und Rodolfo wurde von Puccini nicht nur in der Villa Ginori und in seinem Torre del Lago vertont, sondern auch in Uzzano in der Provinz Pistoia und in Mailand, wo Puccini sehr oft den Verleger der Libretti seiner Opern, Giulio Ricordi, besuchte.

Puccini hatte sein Studium am Mailänder Konservatorium abgeschlossen und war der Stadt sehr verbunden geblieben, die damals das wahre Zentrum der italienischen Oper war – auch dank der Anwesenheit von Giuseppe Verdi in jenen Jahren, der sich dafür entschied, gerade in dem von ihm gegründeten Altenheim an der Piazza Buonarroti beigesetzt zu werden.
Eine Kuriosität: Eine liebe Enkelin Puccinis war viele Jahre nach den Mailänder Abenteuern ihres Onkels eine echte Protagonistin der Mailänder Modeszene: Elvira Leonardi Bouyeure, die – mit einem von Puccini selbst erfundenen Spitznamen – „Biki“ genannt wurde.